Mittwoch, 27. April 2011

Bürokratie á la Autriche

Es ist immer wieder faszinierend wenn man mit Behörden zu tun hat. Job bedingt reise ich bekanntlich viel und daher ist mein Pass in der Regel innerhalb von ein bis zwei Jahren voll mit Stempeln und Stickern. Über die Botschaft in Abu Dhabi dauert eine Neuausstellung bis zu 8 Wochen und in Wien selbst nur 3 Werktage. Warum das so ist verstehe ich zwar nicht ganz, aber nachdem ich es nicht ändern kann, muss ich eben in den Flieger steigen und mir den Pass in der Heimat holen.

Es ist mir ein Anliegen dieses Erlebnis hier wiederzugeben.

Meine Kollegen aus England, Holland und Frankreich können Pässe beantragen, die doppelt so viele, oder zumindest mehr Seiten haben als der Standardpass. In Österreich kann man einen Zweitpass beantragen. Ich gehe also bewaffnet mit allen Unterlagen zu meinem Magistrat (so heissen in Österreich die Bezirksämter) und ersuche um Ausstellung von zwei neuen Pässen. Von der letzten Ausstellung vor zwei Jahren hatte ich noch die Passbilder. Die kann man aber scheinbar nicht zwei mal verwenden und darum gleich die erste Hürde, neue Passbilder ausstellen. Zweite Hürde ist, dass nur das Zentralamt Zweitpässe ausstellen kann und so heisst es wie so oft: Thanks for nothing.

Neue Bilder erledigt mach ich mich auf zur Zentrale. Nummer ziehen und warten. Dann der folgende Dialog:

Ich: ich benötige zwei neue Pässe
Sie: Weshalb?
Ich: Weil ich viel reise
Sie: Dann benötigen wir einen Nachweis
Ich: Sehen Sie das nicht in meinem Pass? Er wurde letztes Jahr ausgestellt und ist bereits voll
Sie: Seit wann leben Sie denn eigentlich in Dubai?
Ich: Seit ca. 5 Jahren
Sie: Dann benötigen wir einen Nachweis von der dortigen Botschaft, dass Sie nach wie vor im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft sind
Ich: Warum sollte ich kein österreichischer Staatsbürger mehr sein?
Sie: Sie hätten ja in der Zwischenzeit die dortige annehmen können
Ich: Die Vereinigten Arabischen Emirate gewähren einem Ausländer keine Staatsbürgerschaft
Sie: Das mag schon sein, aber wir benötigen das dennoch wenn ein Österreicher länger als 5 Jahre im Ausland lebt
Ich: (Im Reisepass nach dem UAE residency visa Ausstellungsdatum suchend) Ich lebe seit exakt 4 Jahren und 10 Monaten in Dubai
Sie: Hmm, ok, dann geht das in Ordnung. Aber wir benötigen eine Bestätigung ihrer Firma, dass Sie berufsbedingt viel reisen und deshalb einen Zweitpass benötigen
Ich: Sehen Sie das nicht anhand meines Passes?
Sie: Tut mir leid, aber das benötigen wir eben
Ich: (in weiser Voraussicht darauf vorbereitet und einen Schrieb meiner eigenen Firma mitgenommen) Hier bitte sehr
Sie: Das muss unterschrieben und gestempelt sein und wir benötigen ausserdem den Firmenbuchauszug von der österreichischen Wirtschaftskammer
Ich: Die Firma ist aber in den VAE registriert, nicht in Österreich
Sie: Dann benötigen wir ein übersetztes und notariell beglaubigtes Dokument von der Wirtschaftskammer in den VAE, das darüber hinaus von der österreichischen Vertretung in den VAE bestätigt sein muss
Ich: Das meinen Sie aber jetzt nicht ernst? Können Sie bitte mit ihrem Vorgesetzten sprechen. Ich denke das geht auch einfacher
Sie: Das kann ich machen, aber es wird sich nichts an meiner Aussage ändern (10 Minuten später nach Rücksprache mit ihrem Vorgesetzten) Ok, wir können ausnahmsweise eine Ausnahme machen
Ich: Vielen Dank für die Bemühung
Sie: Aber das nächste Mal müssen Sie das schon mitnehmen. Das geht dann nicht mehr so einfach
Ich: Natürlich! Selbstverständlich
Sie: Die Gebühren für beide Pässe betragen 200 Euro. Bitte zahlen Sie das beim Kassenschalter gegenüber und bringen Sie mir dann die Bestätigung
Ich: 200 Euro? Bekomme ich da noch etwas extra? Einen Gutschein vielleicht?
Sie: Wie bitte? Nein, das ist natürlich nur für die Passausstelung
Ich: Verstehe, na ich wollte nur nachfragen
Sie: Kann ich dann sonst noch etwas für Sie tun?
Ich: Nein, vielen Dank. Sie waren bereits eine grosse Hilfe für mich. Auf Wiedersehen
Sie: Nääääächster Bitte

Jegliches Kommentar dazu erübrigt sich eigentlich...

Von einem französischen Freund, der in Singapur lebt, hab ich gehört, dass er einfach dort zum Konsulat spaziert ist. Die haben alle seine Daten im System gespeichert und die Ausstellung eines neuen Passes hat 1 Stunde gedauert und nichts gekostet... Weshalb genau sind wir der EU beigetreten??

Montag, 11. April 2011

Reality Check

6 Monate bin ich nun schon auf dem Projekt hier in Babylonien und bisher gab´s eigentlich keine unguten Situationen (knock on wood) An die wöchentlichen Rumser aus ferner oder mittlerer Entfernung haben wir uns ja nun schon seit längerem gewöhnt. Hin und wieder Schüsse, Berichte über diverse Überfälle, alles leider bereits Alltag. In letzter Zeit scheint es unsere gehirnamputierten "Freunde" aber wieder besonders zu jucken und so mehren sich intel reports über geplante, vereitelte oder leider eben erfolgte IED oder road side bomb attacks. Die Fahrt von und zum airport ist zwar mittlerweile schon Routine, aber die Story die ich heute von einem unserer PSDs gehört habe, hat mich dann doch ein wenig unrund werden lassen. Letzten Donnerstag wurden wir wie so oft abgeholt um zum BIAP (Baghdad International Airport, BIAP, so die hier gängige Bezeichnung) gebracht zu werden. Wir waren auf Grund des Verkehrs spät dran und heute erzählte mir Roger, dass deren Konvoi 10 Minuten nach Rückkehr von unserer Tour an einer detonierten IED vorbeikamen. Gerade mal 800 Meter von der Ausfahrt vom airport und entlang der so genannten "Route Irish", jene Strecke die wir jedes mal passieren, wenn wir von und zum Flughafen fahren. Überall IPs / IMs (Militärjargon für Iraqi Police & Iraqi Military) und ein Wrack, das vermuten lässt wie heftig die Detonation wohl gewesen sein muss.

Unseren PSDs (ach ja, das nächste hier oft gebräuchliche Akronym, PSD = personal security detail = Personenschützer) waren natürlich auch nicht unfroh, dass sie auf Grund unserer Tour spät dran waren und so unbeschadet blieben. Das klang aus ihrem Mund aber in etwa so, als ob unsereiner froh ist, sich nicht an einem heissen Kaffee die Lippen zu verbrennen. Keine Spur von Anspannung. Vielleicht nur gespielt um uns nicht zu verunsichern. Keine Ahnung. Mittlerweile kennen wir die meisten unserer PSDs schon recht gut und dementsprechend locker ist der Umgang untereinander. Das führt natürlich auch dazu, dass man mehr intel bekommt, als einem manchmal lieb ist. Aber Informationen schaden ja bekanntlich nur demjenigen der sie nicht hat. Einem Deutschen, der ehemals Kampfschwimmer beim KSK war, helfe ich gerade beim Lebenslauf aufpäppeln und Kontakte für PSD Jobs in Dubai zu legen. Es ist nie schlecht solche Bekannte zu haben :-)

Bisher waren unsere unmittelbaren Routen und Gegenden eigentlich immer verschont von Anschlägen. Scheinbar hat sich das jetzt geändert. Wie man es bei ca. 100 check points pro Viertel schafft, vor den Augen der omnipräsenten Polizei -und Armeeübermacht diese Dinger zu vergraben, ist mir dennoch ein Rätsel. Einfallsreichtum hat leider scheinbar auch bei den bad guys keine Grenzen.

Anyway, das war ein reality check der aufzeigt, dass hier halt leider eben doch noch nicht alles Friede Freude Eierkuchen ist.

peace

Montag, 28. März 2011

Umbruch im Nahen Osten und Afrika - My five cents

Algerien, Tunesien, Ägypten, Libyen, Bahrain, Yemen, Saudi Arabien, Kuwait, Jordanien, Syrien, Oman, wer ist als nächster dran?
Viel bleiben nicht mehr. Katar, die UAE und der Libanon sind bisher verschont geblieben.

Katar ist eines der wohlhabendsten Länder der Golfregion. 70% sind Sunniten und so ist auch die Staatsreligion. Meist sind es die ausländischen, arabischen Bewohner die schiitischen Glaubens sind und daher gibt es da weniger Reibungspotential als beispielsweise in Bahrain, wo die schiitische Mehrheit von einem sunnitischem Königshaus unterdrückt wird.

In den UAE gibt es zwar auch vereinzelt Spannungen auf Grund der vielen Klassenunterschiede (Status je nach Clanzugehörigkeit) aber im Grossen und Ganzen sind die Emiratis mehr als zufrieden mit ihrer Regierung. Es gibt darüber hinaus seit Jahren bereits sogenannte "Emiratisierungsprogramme", in denen inländische wie ausländische Arbeitgeber eine gewisse Emirati Quote erfüllen müssen. Nebst den offensichtlichen benefits ist so auch eine gewisse Jobsicherheit gegeben. Einmal angestellt ist es faktisch unmöglich einen Emirati zu kündigen. In Anbetracht all dieser Umstände halte ich es für wenig realistisch, dass es hier zu gröberen Unruhen kommen wird. Jedoch hätte ich mir das auch in Syrien und Bahrain niemals denken können.

Der Libanon hat viele, komplexe politische Herausforderungen und eine de facto nicht existente bzw. funktionstüchtige Regierung. Nebst dem allgegenwärtigen Risiko eines durch die Hisbollah neuerlich entfachten Krieges mit Israel, bleibt nicht viel Potential für eine hausgemachte Revolution.

Eine Revolution im Iran würde zwar in der Region selbst, sowohl als auch im Westen generell eine besondere Zustimmung erfahren, jedoch sind bisherige Versuche immer recht effektiv durch das Regime zerschlagen worden. Zu allmächtig scheinen staatliche Kontrolle und Abschreckung zu sein. Gewiss ist aber definitiv, dass sowohl USA als auch die meisten Nachbarländer im Golf eine Staatsrevolte umgehend und mit voller Härte unterstützen würden. Dafür müssten aber massive Militärschläge in Kauf genommen werden, die auf Grund der potentiellen militärischen und nuklearen Bedrohung Iran´s wohl eher unwahrscheinlich bleiben.

Ein Schauplatzwechsel führt uns an die Elfenbeinküste, wo seit Monaten ein Ausnahmezustand herrscht. Der österreichische Konsul, den ich bei meinem Aufenthalt vorletzten Jahres kennen gelernt habe, berichtete mir vor kurzem, dass ganz Abidjan faktisch still gelegt ist. Nahrungsmittel sind knapp oder aus. Benzin ist nur noch sporadisch und gegen Unsummen zu erwerben. Das Bankensystem ist komplett zusammen gebrochen (und so natürlich auch Gehaltszahlungen und damit verbunden Lieferantenausfälle) usw usf. Noch harrt er mit seiner Familie auf einer nahe gelegenen Inselsiedlung aus. Aber bald muss auch er den Rückzug antreten und die Situation im Ausland abwarten. Ich kann mich noch genau erinnern wie er uns damals gesagt hat, dass wir unser Projekt besser abschliessen, bevor es zu Wahlen kommt. Damals waren Wahlen am Ende unserer Projektzeit angesetzt und wurden dann (glücklicherweise?) verschoben. Was sich aus der jetzigen Lage ergibt, bleibt abzuwarten. Ohne militärische Intervention von Aussen wird es aber wohl bald einen Bürgerkrieg geben und das einstige Vorzeigeland Westafrikas wird dann wieder um Lichtjahre in eine düstere Vergangenheit befördert.

Schon seltsam irgendwie. Ich war in den meisten dieser Länder über Monate hinweg auf diversen Projekten und scheinbar war mein timing immer gold richtig. Ich hoffe natürlich, dass das so bleibt :-)

Ob dieser länderübergreifende Umbruch eine Verbesserung bringen wird steht in den Sternen. Im Irak, meinem derzeitigen "Wohnort", gibt es seit dem Sturz Saddam´s nach wie vor keine funktionierende Regierung und ethnische, sowie religiöse Konflikte sorgen nach wie vor für kriegsähnliche Zustände. Wirtschaft und Infrastruktur sind nach wie vor stark belastet und obwohl sich die Sicherheitslage seit 2006 stark gebessert hat, kann von Stabilität noch lange keine Rede sein. Jeder Umsturz ist nur so erfolgreich wie die Chance die man danach nutzt.

Interessant bei all dem ist die Türkei, die zwar riesiges Potential für einen Volksaufstand ungeahnter Grössenordnung bieten würde, sich aber irgendwie selbst ausbalanciert. Vielleicht liegt es aber einfach auch nur an der relativ betrachteten, kleineren Menge der "andersdenkenden", dass es bisher noch nicht eskaliert ist. Kurden, Alawiten und Christen stehen einer Übermacht an fast 70 Millionen Sunniten gegenüber und da wäre jeder religiös bedingte Aufstand schon im Keim erstickt. Wirtschaftlich geht es in der Türkei seit Jahren enorm aufwärts und durch die Annäherung an den Nahen Osten sind Abhängigkeiten der EU gegenüber neuen Potentialen im Osten gewichen. Die Enthauptung der Militärführung durch Erdogan, die als einzige eine reale Umsturzgefahr darstellte, führte zu einer quasi "Allmacht" der AKP Regierung. Akademiker und Künstler sind seit jeher kritisch ihrer Regierung gegenüber. Jedoch ist die im Bevölkerungsschnitt vergleichsweise geringe Anzahl dieser Gruppe nicht ausreichend um eine wirkliche Gefahr für die Regierung darzustellen.

Bleibt zu hoffen, dass sich zumindestens in einigen der vielen Länder im Nahen Osten etwas zum Besseren ändern wird. Ich wünsche es all meinen ehemaligen Kollegen, Freunden oder Bekannten in dieser Region, die einfach nur ein normales Leben führen wollen.

Montag, 28. Februar 2011

und wieder zurück in Baghdad...

...seit gestern. Alles ruhig hier. Als ob nix gewesen ist. Für kommenden Freitag sind wieder Demos geplant. Diesmal bleiben wir aber hier übers Wochenende. Mal gucken wie das wird.

Sonntag, 20. Februar 2011

Will I make it out of here?

Sonntag, Ankunft Baghdad. Für kommenden Freitag, den 25.02. ist hier eine Demonstration angekündigt, die in ihrer Grösse angeblich mit denen aus Kairo und Tunis mithalten soll. Obwohl geplant war, dass wir hier das kommende Wochenende verbringen, wurden wir aus Sicherheitsgründen gebeten bereits am Donnerstag wieder auszureisen. Das stört uns natürlich nicht im Geringsten und jetzt hoffen wir natürlich nur, dass wir es rechtzeitig mit den Massen zum Airport schaffen und das die Maschine nicht hoffnungslos überbucht ist. Als Gold Member sollte ich zwar eine garantierten Sitzplatz bekommen, aber in solchen Situationen weiss man nie.

Also bitte Daumen drücken :-)

Montag, 7. Februar 2011

Manche Dinge will man lieber nicht erfahren

Newsflash Feb 7th: IED found on main road to our compound...

Sonntag, 5. Dezember 2010

Aus der Rubrik 'Alltagsszenen in Baghdad'

Ankunft Baghdad. Abholung durch den Security Dienst. Fahrt durch Baghdad vorbei an den zahlreichen checkpoints. Wir kommen an einem belebten Kreisverkehr vorbei und unser Fahrer zeigt in eine Richtung und lacht. Zwei irakische Polizeibeamte, offensichtlich uneins über ein bestimmtes Thema, prügeln sich auf offener Strasse vor den Augen der zahlreichen Autofahrer und Passanten, sowie der direkt daneben stehenden und tatenlosen uniformierten Kollegen.

Wir fahren weiter und als ich mich umdrehe und ihnen nachschaue, liegen sie bereits am Boden und führen ihre Prügelei nun liegend weiter.

Ankunft im compound. Eintrag ins Logbuch für heute: Keine besonderen Vorkommnisse...

Montag, 29. November 2010

Fussball Feier auf Irakisch

Ich liege im Zimmer und zieh mir einen Film rein als plötzlich Schüsse fallen. Zuerst fern, dann immer näher. Tak tak tak tak tak, eindeutig Maschinengewehr Salven. Das ganze geht über eine halbe Stunde lang. Ich gehe nach draussen um zu sehen was los ist und sehe unsere Wachleute durch die Gegend rennen. Unser Hausangestellte klärt mich auf. Der Irak hat angeblich gerade ein Fussballspiel gegen den Oman gewonnen und das seien Freudenschüsse. Und ich solle lieber wieder hinein gehen, damit mich kein Querschläger trifft. Wahnsinn... Und in Österreich wird über bengalische Feuer in den Stadien diskuttiert. Fremde Länder, fremde Sitten.

Ein kurzer soundclip anbei

Freudenschuesse1 (mp3, 2,685 KB)

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Zuletzt aktualisiert: 14. Sep, 14:09

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