Mittwoch, 9. Dezember 2009

2009

Ereignisreiches, anstrengendes und aufregendes Jahr. Im Juni gekündigt, danach 4 Monate West Afrika, dem Kunden wegen der Bezahlung hinterher laufen (bis jetzt), dazwischen Visum und Lizenz klären, danach Projekt aquirieren, 2x die Woche im Flieger sitzen, nächtelang Präsentationen schreiben, mittendrin Umzug organisieren, etc. War echt ein anstrengendes Jahr für Ali und mich. Urlaub war keiner drin und darum freu ich mich jetzt um so mehr auf den Weihnachtsheimflug.

Das erste Jahr ist ja bekanntlich das anstrengenste im Unternehmertum und das hat sich bisher definitiv bewahrheitet. Bereuen tun wir es bis jetzt aber beide nicht. Die Flexibilität und Freiheit nicht nur zeitlich, sondern auch arbeitstechnisch ist eine ungeheure Motivation. Darüber hinaus arbeitet man ja in die eigene Tasche und das spornt zusätzlich an. Dennoch zollt der Stress und die Arbeitslast manchmal seinen Tribut und wir merken beide, dass ab und zu mal einfach die Lust raus ist. Wir haben uns zu diversen Themen manchmal so heftig gestritten und angebrüllt, dass man meinen konnte wir würden das nicht mehr auf die Reihe kriegen. Es hat sich aber dennoch immer wieder eingekriegt und das war einfach unsere Art der Stressbewältigung. Afrika war darüber hinaus definitv eine Erfahrung, sowohl beruflich als auch und vor allem persönlich. Wie wir da so einsam, jeder für sich in einem andere Land und erschöpft in unseren substandard Hotelzimmern hockten, Angst vor jedem Mosquito hatten, fortgehen auf Grund der Sicherheitslage ausschlossen, da haben wir beide eine kurzzeitig schwere Depression und Demotivation erfahren, die wir so noch nicht kannten. Es war zwar zeitweise auch lustig und interessant, aber alles in allem waren wir beide froh wie es vorbei war. Ist irgendwie vergleichbar mit dem Bundesheer, danach hat man gute G´schichtln aber mittendrin zipft es einen an.

In diesem Sinne freue ich mich daher jetzt auf lauschig kaltes Wetter, die Weihnachtskekse meiner Schwester, auf den leckeren Wiener Kaffee, auf gemütliches Beisammensein der Familie, Freunde treffen und auf Spaziergänge und deutsches Fernsehprogramm.

Nächstes Jahr bringt dann hoffentlich die ersehnten Früchte unserer Arbeit und auch auf das freue ich mich schon sehr.

Bis dahin, keep tuned, be safe and take care. Schon mal im vorhinein merry xmas und a happy new year.

Montag, 7. September 2009

Eine Ode ans Fliegen

So viele tun es. Jährlich, monatlich, manche wöchentlich und manche sogar täglich. Laut Statistiken fliegen weltweit täglich ca. 49.000 Menschen rund um den Globus. Ich weiss nicht wie viele von denen es gern tun. Auch weiss ich nicht, wieviele dieser 49.000 mit Privat Jets herumdüsen; First, Business oder Economy reisen. Ich weiss nur eines, ich hasse Fliegen! In meinem Bekanntenkreis verbringe ich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wohl die meiste Zeit im Flieger. Den Grossteil davon beruflich. Ich glaube Fliegen hat mir nur ein einziges Mal so richtig Spass gemacht und das war das erste Mal als ich ein kleines Kind war. Seit damals pflege ich eine leidenschaftliche Abneigung gegen die kommerzielle Luftfahrt. Wobei ich ja durchaus auch angenehme Flüge hatte, aber die stellen leider die Ausnahme dar. Das Fliegen selbst, sprich das unbewegliche und ungeduldig ersehnte Warten auf die Landung kann mitunter ja auch entspannend sein. Doch leider spielen dafür zu viele Faktoren eine Rolle und nicht immer spielen die alle so zusammen, dass ein Flug als angenehm kategorisiert werden könnte.

Der ganze normale Wahnsinn eines Vielfliegers. Eingechecked ist man bereits online (je nach Airline) und so geht man bestens vorbereitet und mit allen print outs und Pass in der Hand zum Schalter. Die Frage nach dem exit seat (für all diejenigen die in der so genannten „cattle class“ fliegen eine obligatorische Frage) wird je nach Auslastung und Zeitpunkt des Eincheckens mal positiv, oft aber leider negativ beantwortet. Früher war das mal ein Geheimtipp, jetzt weiss das leider schon jeder. Wenn der nicht frei ist, dann kann man nur hoffen beim einchecken einen guten Platz bekommen zu haben. Ein guter Platz ist für mich ein solcher, der je nach Sitzkonfiguration des Fliegers aus einer Kombination aus Gangplatz und möglichst weit vorne besteht. Gangplatz deshalb, weil ich lange Beine habe und diese so zumind. ein wenig seitlich wegstrecken kann. Weit vorne deshalb, weil ich gerne nach der Landung so schnell wie möglich draussen sein will. Glaubt man Unfall-bzw. Absturzstatistiken, so soll ein Platz möglichst weit hinten im Flugzeug die besten Überlebenschancen garantieren. Aber das hängt dann noch von so vielen anderen Faktoren ab (Nähe zum nächstgelegenen Exit, Art des Aufpralls bzw. des Absturzes, etc.), dass ich das getrost vernachlässige und dafür bei regulärer Landung schneller raus sein möchte.

Hat man das mit dem Sitzplatz erledigt, so kann man sich nun entspannt aufs boarding freuen. Je nach Flughafen, Airline und Bonusprogramm kann man diese Zeit entweder in der lounge verbringen, oder beim bummeln durch die duty free shops. Beim boarding bin ich gerne relativ früh dran und versuche mir einen Platz in der Nähe des Ausgangs zu suchen. Das hat den einfachen Grund, dass man eher einen Platz fürs Handgepäck findet wenn man als einer der ersten in den Flieger steigt. Wenn man viel fliegt oder besonders wenn man beruflich fliegt, versucht man nämlich das Gepäck möglichst im Handgepäck unterzubringen um die lästige Warterei bei der Gepäckausgabe zu vermeiden (vom baggage lost scenario ganz zu schweigen). Wenn man spät beim boarding ist, dann hat man je nach Auslastung des Fluges gute Chancen sein Gepäck entweder irgendwo ganz hinten oder ganz vorne verstauen zu müssen. Wenn ich weit vorne sitze und mein Gepäck weit hinten verstaut ist, dann verliere ich den „Startvorteil“ da ich warten muss bis alle Passagiere die Maschine verlassen haben bevor ich mein Gepäck holen kann.

Nächster sehr kritischer Faktor beim Fliegen (vor allem in der economy class) sind die Passagiere in unmittelbarer Umgebung. Ich teile hier nach 5 Kategorien ein. Körperumfang, Geruch, Lautstärke, Alter und Verhalten. Der Körperumfang kann dann eine entscheidende Rolle spielen, wenn er so gross ist, dass die Grenzlinie (jene imaginäre Linie, die Intimsphäre A von Intimsphäre B trennt und meist im Verlauf der Mittelarmauflage zu finden ist) eindeutig überschritten wird und die eigene Intimsphäre physisch penetriert wird. Geruch ist ein selbsterklärender Faktor und beinhaltet Wahl des Parfürms, Menge und Geruch der Transpiration und bewusst oder unbewusst abgesetzte Winde. Die Lautstärke hängt meist unmittelbar mit der nächsten Messgrösse, dem Alter zusammen. Je geringer das Alter desto höher die Dezibel (das Kinder auf Grund des Drucks im Trommelfell Schmerzen haben und diese lautstark notieren ist bekannt). Lautstärke kann aber auch altersunabhängig sein und auf fehlende Sozialkompetenz zurück zu führen sein. Meist sind Anhänger dieser Kategorie auch in anderen öffentlichen Bereichen (U-Bahn, Bus, Kino, etc.) stets bemüht alle Welt an ihren Empfindungen teil haben zu lassen. Die für mich aber wichtigste Kategorie ist die des Verhaltens. Daher möchte ich an dieser Stelle eine Subkategorisierung vornehmen. Der Durchschnittspassagier lässt sich für mich wie folgt gliedern:

1. Der ruhige und unscheinbare Fluggast
2. Der unruhige, ständig aufs Klo gehende und nicht ruhig sitzen könnende Passagier
3. Der Armlehnen-in-Besitz-Nehmer
4. Der Stuhl-nach-hinten-Leger
5. Der Lehnen Egoist
6. Der unermüdlich kommunikative
7. Der Alkoholiker

Wie unschwer zu erraten war, gehört Fluggast Nr. 1 zu meiner Lieblings Kategorie. Er/Sie setzt sich auf den Platz, redet nicht, stört nicht, und verhält sich genau so, wie Er/Sie es auch vom Sitznachbarn wünscht. Richtig geraten, ich zähle mich selbst zu dieser Kategorie.

Kategorie Nummer 2 hat eine sehr schwache Blase und ist auch sonst überaus auffällig in seiner Präsenz. Ob sitzen, liegen, stehen, linke Seite, rechte Seite, diese Gattung ist sehr unruhig und strahlt auf seine Sitznachbarn eben diese Unruhe aus.

Passagiere der 3. Gattung gehören zu meiner liebsten Konfliktgruppe. Im Normalfall hat eine Zweiersitzreihe drei Armlehnen. Die Fensterseitige, die mittlere und die Gangseitige. Bewusst wird hier von den Airlines also eine Konfliktsituation provoziert. Die meisten Menschen haben 2 Arme und daher ergibt sich nach Adam Riese ein Problem, wenn 4 Arme auf 3 Armlehnen treffen. Einigt man sich gütlich, dann wird die Mittelarmlehne geteilt und die Ellbogen jeweils an der Vorder- und Hinterkante harmonisch geparkt. Trifft man auf einen Egoisten, so werden vom selbigen meist gleich nach dem Hinsetzen beide sofort in Besitz genommen. Meist in stillschweigender Annahme der Nachbar würde ohnehin nur eine benötigen. Überhaupt wird hier selten mit verbaler Kommunikation gearbeitet. Ebenso non-verbal und wortkarg sind dann auch meist die Revierkämpfe, wenn Ellbogen gegen Ellbogen schiebt und man mit dem Blick ins Bordmagazin gebannt sämtliche Muskelkraft aufbietet um sein Revier zu verteidigen.

Ebenso beliebt sind bei mir Anhänger der vierten Kategorie. Allerdings gestaltet sich auch hier die Sache nicht so einfach und bei dieser Diskussion gibt es meist 2 Lager. Die einen, die meinen das man Dominoartig einfach auch seinen eigenen Stuhl umlegen könne. Schliesslich sind die Stühle ja auch so gebaut worden und sonst würde das ja keinen Sinn ergeben. Und dann die anderen, die Rücksicht nehmen. Punkt. Ein einfaches Umdrehen und nachfragen würde ja meist reichen, aber meist wird einfach der Knopf gedrückt und hinter mir die Sinnflut. Wenn man wie ich lange Beine hat, dann resultieren spontane Umlegeaktionen meist in einem Schmerz in der Kniegegend. Besonders angenehm ist die Ignoranz des Vordermannes, wenn man gerade versucht zu Essen und die plötzliche und selten angekündigte Umlegeaktion einem das selbige fast auf den Schoß befördert. Auch meinen viele, sie können bis zur Landung liegen bleiben, in der Hoffnung die Besatzung würde das übersehen (sollte sie das tatsächlich so bin ich stets hilfsbereit mit einem Wink zur Stelle).

Der Lehnen Egoist denkt selten weiter als bis zur Kopflehne die sich vor ihm befindet. Beim Aufstehen wird die vordere Lehne gerne als Aufsteh- oder Aufsetzhilfe verwendet. Merkt man das die Kopflehne langsam nach hinten wandert, so ist Vorsicht geboten. Sehr schnell will diese nämlich oft wieder in Ausgangslage zurück und federt so ziemlich unsanft gegen den eigenen Kopf. Handelt es sich um einen Passagier der zweiten Gattung (der Unruhige), dann kann es zu einer intensiven Belastung der Nackenmuskulatur kommen. Seit Airlines touchscreens in den Kopflehnen eingeführt haben, ergibt sich zudem auch das so genannte Drückphänomen. Mangels senso-motorischer Begabung der Allgemeinheit wird Treffsicherheit und Gefühl mit Gewalt kompensiert und so kann ich auf Grund der Druckfrequenz und Lage meist erkennen welches Program gerade gewählt wurde.

Der unermüdlich-kommunikative bedarf hier keiner weiteren Beschreibung. Jedoch muss ich doch immer wieder erstaunt feststellen, wie hartnäckig sehr eindeutig desinteressierte Mimiken und Gesten ignoriert werden. Würde man mir alle 3 Minuten ein grummeliges hmm hmmm zu hören geben, das mit einem genervten Blick untermalt ist, ich würde diesen Passagier wohl so schnell nicht mehr anreden.

Der Alkoholiker ist nicht zwangsläufig auch im echten Leben ein Alkoholiker. Das kostenlose Angebot an 0,33L Plastikflaschenkochwein scheint aber eine magische Anziehungskraft auf die meisten zu haben. Ähnlich wie bei Messen und anderen Events, wo unheimlich praktische Dinge kostenlos ausgeteilt werden, scheint hier die Einstellung zu sein, man müsse das System ausbeuten, indem man so viel wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich konsumiert. Die Rache des kleinen Mannes. Ist ja schliesslich gratis. Das Alkohol in luftiger Höhe stärker wirkt ist vielen zudem ein willkommener Seiteneffekt. Warum in Zeiten von post 9/11 extremen Sicherheitvorkehrungen immer noch kostenlos und scheinbar unbegrenzt Alkohol serviert wird, ist mir ohnehin ein Rätsel. Gab es noch nie den Fall, dass ein Betrunkener einmal die Tür öffnen wollte?

Natürlich gibt es dann auch noch eine Kombination aus zwei oder mehr der o.a. Kategorien. Selten ist ja eine Unart alleine unterwegs.

Eine weitere Einflussgrösse beim Fliegen ist das Bordpersonal, vormals Stewardessen,mittlerweile flight attendants und unter sich auch gerne, weil cooler klingend, cabin crew genannt. Au Mann, da könnte ich jetzt ganze Bücher füllen. Prinzipiell gesagt und um etwaige Beschwerden vorab abzufedern, glaube ich ja gerne daran, dass Flugbegleiter unter anderem (oder hauptsächlich) für die Sicherheit der Passagiere zuständig sind. Dafür haben die meisten wohl auch ein sehr intensives und qualitativ hochwertiges Training erhalten (je nach Airline versteht sich). Ich bin mir auch sehr wohl der Tatsache bewusst, dass nicht jeder Passagier ein Engel ist und es sicher genügend Rüpel (siehe Passagierkategorisierung weiter oben) gibt, die es den Damen und Herren der Flugsicherheitsaufsicht (um mal nicht Flugbegleiter sagen zu müssen) sehr schwer machen. Betrunkene (siehe Passagierkategorisierung weiter oben), Ausfallende, Popograpscher, Anweisungsverweigerer, etc. Alles sicher nicht so lustig. ABER, es gibt da scheinbar eine Pauschalisierung von Seiten manch fliegender Belegschaft (und schon wieder das Wort Flugbegleiter umschifft), die das Gros der Passagiere als lästige Begleiterscheinung ihres Jobs missverstehen. Schön viel und gratis in der Welt herumfliegen. In tollen Hotels absteigen. Die Welt sehen. Parties in Rio, Tauchen auf den Malediven. Etc. All das und mehr scheint für viele der Hauptmotivator ihrer Tätigkeit zu sein. Wenn es aber um das Wohlbefinden der Passagiere geht, dann kommt mir manchmal das Gefühl hoch, dass das im Stellenwert der fliegenden Begleiter (langsam wirds schwierig) nicht gerade top ranking ist. Ich finde es z.B. immer wieder interessant, dass einem dauernd gesagt wird, man soll nur ja viel trinken beim Flug. Die Luft ist ja so trocken und trinken hilft gegen Thrombosen, Müdigkeit, Schlaffheit, Errektionsstörungen und was weiss ich noch allem. Tja und dann bekommt man ein 5cl Tröpferl in hübscher Plastikverpackung. Und wehe dem, der regelmässig Nachschub haben will. Wirklich lästig so was.
Mein bevorzugter Gangplatz hat leider auch manchmal so seine Nachteile. Nämlich dann wenn ich versuche mich zu entspannen, die Äuglein zu mache (von schlafen ist ja eh keine Rede) und meine Beine strecken will. Grössenbedingt geht das bei mir nämlich nur seitwärts, sprich auf den Gang hinaus. Meine Beine sind jetzt aber nicht so lange, dass sie den gesamten Gang abdecken und daher wundere ich mich immer wieder über die „zufälligen“ Vollkontaktberührungen der Trolleys (die Wagerl auf denen das so schmackhafte Essen serviert wird). Nicht nur einmal kamen meine Kniescheiben da zum unliebsamen Handkuss mit den Metalkanten dieser Todesgeräte. Ein kurzes aber offensichtlich nicht ernst gemeintes sorry und blödes Grinsen und schon kriegt es der nächste Sitzriese ab. Wenn man schön seinen Mund hält, die Legebatterieartige Prozedur brav mitmacht und nur ja keine Sonderwünsche aüssert (z.B. ein extra Glas Wasser oder funktionierende Kopfhörer), dann ist alles wunderbar. Der Fairness halber muss ich natürlich schon auch erwähnen, dass ich durchaus auch sehr nette Erlebnisse hatte und es Gott sei Dank immer noch Personal gibt, dass es wirklich ernst meint mit gutem Kundenservice. Leider ist aber nicht die Regel und scheinbar sind immer nur die Rookies freundlich. Die alten Hasen kacken meist voll auf uns A-gesichter. Mein Erfahrung diesbezüglich hat jetzt ürigens sowohl für Economy als auch für Business class seine Gültigkeit (in der business gibt es manchmal sogar schon 0,5 Liter Wasserflaschen).

Genau so schön wie das Fliegen selbst, ist die Landung und das Flughafen procedere.
Zugegeben seltener aber immer noch vorhanden, sind die Landungsklatscher. Was wird hier eigentlich beklatscht? Die Tatsache das man noch lebt? Dass die Landung sanft war? Das man angekommen ist? Ich begreife es auch nach so vielen Jahren noch immer nicht. Kaum verlässt der Flieger die Landebahn hört man auch schon das Klicken der Pole position Jäger. Deshalb so genannt, weil sie kurz nach dem touchdown bereits ihre Gurte abschnallen und wie die Teufel aufspringen sobald der Flieger in Parkposition ist. Da werden dann überschwere Koffer rücksichtslos gen Boden gezogen, nur um dann erst wie Sardinien eingequetscht im Stau zu stehen. Die oberschlauen (meist auch neo-liberal und alternativ) bleiben meist so lange im Flieger sitzen, bis alle Pole Position Jäger das Flugzeug verlassen haben. Der Trott macht sich dann im Eilschritt auf zur Passkontrolle und Gepäcksausgabe. Dort gibt es dann noch den Streit um die Position am Gepäckausgabeband.

Die Zollabfertigung bzw. das gesamte procedere vom Verlassen des Flugzeuges bis zum Verlassen des Airports ist ja auch immer so eine Sache. Je nach Flughafen ist das mal einfach und schnell, mal aber auch eine reine Tortur und dauert scheinbar ewig. Faszinierend finde ich dabei wie manche Flughäfenbetreiber wie selbstverständlich annehmen, dass man sich überall sofort gut auskennt und weiss was man zu tun hat. Schön finde ich z.B. die seit Jahren immer noch gängige Praxis der Münzgepäckwagen am Flughafen Wien. Jeder Tourist hat ja auch immer Kleingeld in Landeswährung eingesteckt. Fantastisch. Besser wird es dann noch, wenn man diverse Einreiseformulare ausfüllen muss. Sagt einem aber oft keiner und so steht man minutenlang in der Schlange vor der Passkontrolle und wird dann zurück geschickt, weil man das besagte Formular nicht ausgefüllt hat.

Ebenso spannend sind für mich persönlich auch immer die Zollkontrollen. Ich habe mittlerweile schon eine echte Paranoia entwickelt was diese betrifft. Wenn ich nicht gerade im Anzug reise (was ich aus Bequemlichkeitsgründen und vor allem auf Langstreckenflügen nur ungern tue), dann besteht bei mir immer eine 70/30 Chance, dass ich beim lautlosen Durchquerungsversuch des „nothing to declare“ Ausgangs aufgehalten werde. Ich habe schon zahlreiche Theorien für diesen Umstand entwickelt, aber keine scheint so recht zu erklären warum ich so oft aufgehalten werde. Auch sind meine Versuche möglichst unauffällig zu wirken scheinbar kontraproduktiv und bewirken genau das Gegenteil. Ob ich nun telefoniere, mich mit einem Mitreisenden unterhalte, lache, schweige, Augenkontakt suche, weg schaue, schnell gehe, langsam gehe, genervt wirke oder Ruhe ausstrahle, all das scheint keine Garantie fürs nicht aufgehalten zu werden sein. Mein Problem bei diesen Kontrollen ist zudem, dass ich trotz völligem Unschuldsbewusstsein immer eine gewisse Nervosität aufreisse, die meine Unschuld so gar nicht unschuldig wirken lässt. Ich weiss nicht woran es liegt, aber scheinbar hab ich immer ein derart schlechtes Gewissen, dass ich sofort die Panik bekomme. Auch weiss ich bei all der Herumfliegerei gar nicht mehr was jetzt erlaubt ist für die Ein-und Ausfuhr und was nicht. Waren es jetzt 2 Stangen Zigaretten aus dem Nicht EU-Raum oder doch nur eine? Muss ich Sachen die ich in Dubai gekauft habe, in Österreich deklarieren? Usw usf. Auf jeden Fall weiss ich mit ziemlicher Sicherheit, dass ich niemals irgendetwas schmuggeln könnte. Man würde mir aus 2km Entfernung den Angstschweiss und die vor Panik geweiteten Pupillen sofort anerkennen.

All diese netten Sachen machen einem das Fliegen so richtig schön angenehm. Alternative? Sehr reich werden und einen Privat Jet kaufen. Mit der Bahn fahren (bei Wasserüberquerungen nur begrenzt lustig). Gar nicht fliegen (nun ja, geht halt leider nicht immer). Valium und Schlaftabletten (auf Dauer nur bedingt verträglich). Ich weiss es nicht, aber ich wollte mich einfach nur mal auskotzen.

Samstag, 11. Juli 2009

Liberia pics

Back in Abidjan im Hotel. Hier ein paar Eindrücke von Liberia.

Liberia

Videomitschnitt einer kurzen Rundfahrt mit Hörprobe des liberianischen Englisch. Wer kanns übersetzen? :-)

Mittwoch, 8. Juli 2009

raindrops on my window

4. Tag Liberia, es regnet noch immer in einer Tour. Die haben echt nicht übertrieben als sie sagten, dass gerade Regenzeit ist. Nervt irgendwie...

Sitze im Hotelrestaurant und esse Seafood Pizza. Hoffe ich bereue das nicht.

Letzte Nacht habe ich kaum geschlafen, da ich mordsmässiges Kopfweh hatte. 3 Panatole Extra haben erst gegen 4 Uhr früh Wirkung gezeigt. Dementsprechend müde bin ich jetzt.

Der Kellner hier ist Inder. Hat vorher in Dubai gelebt. Jetzt lebt er hier, da man hier mehr Geld verdienen kann und alles nicht so teuer ist wie in Dubai. Allerdings meint er, dass das Leben relativ öde ist, da man kaum etwas unternehmen kann. Wegen der Sicherheit und so .

Freitag fliege ich zurück nach Abidjan. Wenn es das Wetter zulässt. Dort verbringe ich 2 Nächte und fliege dann nach Dubai für eine Woche. Freue mich schon. Bin erst 3 Wochen weg und hab schon Heimweh.

Sierra Leone

Ali ist seit heute in Sierra Leone. Er hat mir ein paar Bilder von seinen ersten Eindrücken geschickt, die ich gerne mit euch teilen will.

Highlight seines Trips, der Flug mit dem Helikopter vom Flughafen in die Stadt. Es gibt nur 3 verschiedene Arten in die Stadt zu gelangen. Mann kann das Schnellboot nehmen, dauert ca. eine halbe Stunde. Das ist aber auf Grund der vorherrschenden Regenzeit und auf Grund des Wellenganges nicht zu empfehlen. Variante zwei ist die Fähre. Angeblich auch nicht lustig, da die Überfahrt bis zu 4 Stunden dauern kann und man gute Chancen auf einen Platz in den Nachrichten hat (ist schon öfter gesunken oder abgebrannt). Variante drei ist eben der Helikopter. Der Flug dauert nur 7 Minuten und das ist rein rechnerisch wahrscheinlich die beste Variante. Einziger Haken, die Maschinen sind genau so alt wie deren letzte Wartung und die Piloten haben scheinbar selbst so viel Schiss, dass sie sich ansaufen :-)

Ich beneide ihn trotzdem um den Flug. Russische Piloten die angesoffen einen schrottreifen russischen Helikopter fliegen...das ist doch mal ein Erlebnis. Der Helikopter ist übrigens ein Hind MI-8.

Hier der Link zu den Pics:

Sierra Leone


Ali, Ohren steif halten. Wir sehen uns in weniger als einer Woche! :-)

Dienstag, 7. Juli 2009

Naturgewalten

Monrovia. 21 Uhr 30 Ortszeit. Ich sitze im Hotel. Es regnet. Ich hab noch nie in meinem Leben einen derart heftigen Regen erlebt. Der Regen ist so stark, dass der Lärm selbst bei geschlossenen Fenstern im Hotel immer noch ohrenbetäubend ist. In Kombination mit der Brandung des Meeres ist es sogar so laut, dass ich den Fernseher fast auf volle Lautstärke drehen muss, um noch annähernd etwas zu hören. Glaubt mir jetzt wahrscheinlich keiner, ist aber so. Wahnsinn. Ich dachte Regen in Österreich kann heftig sein (siehe aktuelle Situation), aber so etwas hab ich echt noch nie erlebt. Es regnet seit in der Früh unentwegt und ich hab mittlerweile fast schon Kopfscherzen vom Lärm. In einem der meetings heute mussten wir fast schon brüllen um unser eigenes Wort zu verstehen.

Unglaublich...

Montag, 6. Juli 2009

Liberia

Mann oh Mann oh Mann. Ich dachte Cote d’Ivore ist ein Erlebnis. Jetzt, bereits so kurz nach Ankunft würde ich sagen, dass Abidjan wie Monaco im Vergleich zu Monrovia ist. Aber der Reihe nach. Der Flug von Abidjan nach Monrovia dauerte 1 Stunde und Brüssel Airlines (vormals Sabena) ist eine sehr angenehme und komfortable Airline. Alles sauber, viel Platz, freundliche Crew, gutes Service, sicherer Eindruck, passt. Landung Monrovia, Ortszeit 19.00 Uhr. Es ist dunkel, stockdunkel. Vom Flieger geht es zu Fuss über zum Terminal, der aussieht, als ob er seit den 70er Jahren nicht mehr renoviert wurde. Drinnen das übliche Chaos mit den vielen verwirrenden Schaltern und procedures. Einreiseformular, Schweinefiebererklärung (als ob das deren grösste Sorge wäre), Gelbfieberimpfpass, etc. Dann noch vorbei an 2 Kontrollen (nothing to declare heisst aus liberianisch so viel wie: schaun wir mal was bei dem zu holen ist). Nach Rückfrage für welche Organisation ich hier arbeite, lässt er mich aber erstaunlicherweise sofort in Ruhe und bittet mich zum Ausgang. Draussen, es ist genau so stockdunkel wie zuvor. Ich sehe nur Bäume und viele Menschen. Ich habe zwei Handys mit. Mein I-phone, dass ich sicher in der Brusttasche verwahrt habe und ein 08/15 Sony Handy, dass ich mir eigens für den Trip besorgt habe. Ich habe vom Kunden eine eigene SIM Karte erhalten. Die Nummer meines Abholers habe ich mir darin gespeichert und vor Abflug hab ich mich telefonisch nocheinmal vergewissert, dass er auch wirklich kommt um mich abzuholen. In den Menschenmengen sehe ich jede Menge Schilder. Medic sans frontiere, UN, World Bank, US AID,etc. Alles, nur nicht meinen Namen oder das Logo unseres Kunden. Ich bin zwar nur mit Rucksack und kleinem, unscheinbaren Trolley ausgerüstet, aber dennoch steche ich ziemlich eindeutig aus der Masse hervor (trotz oder wegen der Dunkelheit). Es dauert keine 5 Minuten und ein Typ quatscht mich von der Seite an. Eine finstere Gestalt und sicher nicht mein Abholer (hoffe ich zumindest). „Excuse me my friend“ sagt er. Ah, alles klar, er will Kohle von mir. Ich ignoriere ihn und versuche eine finstere Miene aufzuziehen, ohne dabei lächerlich zu wirken. „ah I see, you are a tough guy. You think you are a tough guy, right?“ fragt er mich provokant. Nach Sicherheitspersonal sehe ich mich erst gar nicht um. Wäre ohnehin zwecklos. „no, I’m not tough, I’m just tired and I don’t have any money on me“ entgegne ich ihm und tue so, als ob ich in der Ferne meinen Abholer erblicke. Es klappt, er wendet sich ab. Als ich mein lokales Handy heraus hole, um meinen Fahrer anzurufen, stelle ich fest, dass ich kein Netz bekomme. Sehr fein. Fremdes Land, es ist stockdunkel. keine Ahnung, kenne niemanden und kann nicht telefonieren. Ich stelle mich in eine Ecke, fische das I-phone blicksicher aus meiner Tasche, wähle ein anderes Netz wähle die Nummer des Fahrers. Der sagt, dass er eh schon dasteht und schliesslich sehe ich ihn winkend in der Menge stehen. Glück gehabt. Er holt den Wagen, einen Nissan Pathfinder. Alle Autos die ich sehe, sind 4x4. Die Hälfte davon UN Fahrzeuge mit riesigen Antennen und die UN Buchstaben fett auf allen Seiten aufgemalt. Die Fahrt in die „Stadt“ dauert ca. 1 Stunde und die meiste Zeit über ist es nach wie vor finster. Die Strasse ist links und rechts von einem Wald umgeben. Das einzige Licht kommt von den zahlreichen Fahrzeugen. Es sind ziemlich viele Leute zu Fuss unterwegs und ich habe dauernd Angst, dass wir jemanden überfahren, da wir quasi im Blindflug unterwegs sind. Jedes Überholmanöver ist von Hupen und Fernlich begleitet und ich freue mich einfach nur noch ins Hotel zu kommen. Alle 100 Meter überholen wir ein UN Fahrzeug. Angeblich sind in Liberia die meisten UN Trupps weltweit im Einsatz. UNMIL heisst die Mission hier. Manchmal passieren wir einen Abschnitt, an dem einige Hütten und Imbissartige Lokale zu sehen sind. Das schummrige Licht der wenigen Glühbirnen die sie benutzen, reicht gerade mal um zu erkennen, dass hier Leute sitzen. Spasshalbe frage ich meinen Fahrer, ob ich mich hier Abends frei bewegen könnte. Das lange „aaaahhhmmm“ reicht mir vollkommen als Antwort und ich frage gar nicht erst nach was passieren könnte, wenn ich es doch tun würde. Irgendwann entdecke ich, dass die Benzinanzeige aufleuchtet (nebst ein paar anderen unwichtigen Warnlampen wie Bremsanzeige usw). Anthony, so heisst mein Fahrer, hat dies aber schon bemerkt und meinte, dass wir kurz beim Büro vorbeifahren werden um Geld zu holen. Aha... Wir kommen am Büro vorbei, er parkt den Wagen auf der Hauptstrasse und bittet mich kurz zu warten. Sobald er den Wagen verlässt, aktivere ich Held sofort die Zentralveriegelung. Es dauert auch keine Minute und schon bin ich umringt von Jugendlichen, die mich neugierig, aber irgendwie nicht so freundlich mustern. Anthony kommt zurück und wir fahren weiter. Kurzer Tankstopp und weiter geht es Richtung Hotel. Das Hotel heisst Cape Hotel und ist in Mamba Point Monrovia gelegen. Der Präsidentschaftspalast und das Justizministerium liegen keine 500 Meter entfernt. Ich frage sicherheitshalber gleich nach, wann die nächsten Wahlen sind und als ich 2011 zur Antwort bekomme, bin ich beruhigt. Wir kommen auch am UN Headquarter vorbei. Schützentürme mit Maschinengewehrposten, Betonsperren, automatische Bodenplatten mit Nagelbrett, sehr beruhigend das alles. Ich weiss schon wo ich hin laufe, wenn irgendwas schief läuft. Aber dann endlich, wir kommen im Hotel an. Von aussen sieht es sehr majestätisch aus. 4 Stockwerke die sich in kolonialartiger Bauweise mit Stein und Holzverputz in unmittelbarer Strandnähe von der Umgebung abgrenzen. Ich sehe das Meer zwar nicht (auch hier ist es dunkel), aber ich höre gewaltige Wellen brechen. Die Lobby ist nett und sieht aus, wie man sich eine Safari Lodge vorstellt. Überall Teppiche mit Leoparden bzw., Zebrabemalung. Viel Holz und eine friedliche Atmosphäre. Mein Zimmer ist im 4. Stock. Es gibt keinen Aufzug. Und ich hatte schon bereut meine Sportsachen nicht mitgenommen zu haben. Das Zimmer ist sehr spartanisch eingerichtet. Afrikastandard, keinesfalls 5 Sterne wie an der Plakete angepriesen. Aber es erfüllt seinen Zweck, ist halbwegs sauber und das Internet ist kostenlos und funktioniert gut (wenn es keinen Stromausfall gibt und das war 3x der Fall in der ersten Nacht). Am nächsten Morgen geh ich zum Frühstück, das in einem Nebenhaus/bungalow serviert wird und ich sehe zum ersten Mal das Meer. Wow, das ist Natur pur. Der Strandabschnitt vor dem Hotel lädt zwar nicht unbedingt zum Sonnen ein, aber die Optik ist gewaltig. Riesige Wellen, die ich sonst nur aus diversen Surfvideos kannte, brechen hier unmittelbar vor dem Strand. Schätzungsweise 4-5 Meter hohe Wellen tosen und machen einen irren sound. Wäre ich Surfer, ich wäre wohl ziemlich happy ob des naturbelassenen und menschenleeren Strandes. Haie gibt es hier angeblich nicht. Es gibt eine Terrasse und nachdem das Wetter bewölkt und angenehm frisch ist, nehm ich das (leider etwas bescheidene) Frühstück dort ein. Anthony holt mich ab und wir fahren ins Büro.

Liberia war die erste Anlaufstelle der Sklaven , die aus den Staaten nach Afrika zurück gesiedelt sind. Nach wie vor gibt es angeblich enge Beziehungen zu Amerika und die Landesflagge sieht auch fast genau so aus die US Flagge. Ein Stern auf blauem Hintergrund und die rot-weissen Streifen darunter. Überall in der Stadt sind Plakate mit diversen Slogans zu sehen: „Pay taxes, it is good for the country“, together for a united and free Liberia“, „be safe, use condoms“, „I paid my taxes, how about you“, usw. Manche Fahrzeuge haben sticker, die eine durchgestrichene Waffe zeigen. Die UNMIL Mission hat nach dem letzten Bürgerkrieg eine Aktion gestartet, um alle Rebellen zu entwaffnen und angeblich hat der Grossteil das auch tatsächlich akzeptiert.

Es ist sehr grün hier. Die Bäume hier sehen so aus, wie man sich Afrika aus dem Fernsehen vorstellt. Photos kommen in Kürze wieder. Ich hab leider mein USB Kabel in Abidjan lassen und kann daher erst am Wochenende uploaden. Photos machen ist hier aber ohnehin so eine Sache. Einerseits komme ich mir irgendwie blöd vor, da es immer ein wenig den Anschein eines Zoobesuchs hat, wenn ich Leute photographiere. Andererseits hab ich auch ein wenig Sorge um meine Kamera :-)

Aber bis jetzt (wohlgemerkt 2. Tag) alles safe and sound. Hoffe das bleibt so!

Die Sprache ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Es ist zwar angeblich Englisch, aber es hat irgendwie so einen Mix aus Afrikanischem und Jamaikanischem Slang. Vielleicht sollte ich ein wenig Sean Paul hören :-)

Ah bevor ich vergesse, ich hab auf der Fahrt ins Hotel ein türkisches Restaurant erblickt. Döner Kebab und türkisch aussehende Belegschaft. Es gibt also Zivilisation hier :-)

Dienstag, 30. Juni 2009

Jamming

na weils so lustig war und sich Omi und Co so gefreut haben wenn der Bub was vorspielt. Hier ein paar Selbstaufnahme samples von diversen jam sessions at home. Viele Hacker und bei weitem noch nicht Konzert reif, I know... aber es macht mir halt so viel Spass :-)
"Enjoy" und wer die meisten Titel errät, bekommt von mir eine handsignierte Boxershort!


Distortion mode


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Clean


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Sweet Child o Mine Ausschnitte



Johnny B Good



Knocking on Heavens Door Solo (erste Gehversuche)

5min of fame..or shame?

leicht angeheitert in einer Bar in Abidjan überredet Ali die anwesende Band mich mal an die Gitarre zu lassen. Schlechte Idee, hatte ich doch schon einiges intus und die Band kannte ausser Reggae genau nichts. Meine favourites á la chili peppers oder GnR waren ihnen ebenso fremd wie mir die ihrige Musik und daher einigten wir uns auf knocking on heavens door. Fades Lied und ich verhunz auch noch das Solo. Aber war ein lustiger Abend und ich hatte meinen ersten Liveauftritt vor exakt 10 Leuten. Kritiken und Beschwerden bitte an Ali, der das ganze Theater per Handycam der Nachwelt bewahrt hat.


Donnerstag, 25. Juni 2009

Heimat, fremde Heimat...

Heimat, fremde Heimat

Tag 6 in Abidjan. Lustig wie schnell man sich in anderen Ländern anpassen kann. Mittlerweile fühlen wir uns hier einigermassen wohl und etwas mehr entspannt. Die permanente Malariaparanoia und Sicherheitsbedenken gehen einem bald auf den Sack und obwohl wir zwar weiterhin vorsichtig sind, kacken wir uns jetzt nicht mehr ganz so sehr an.

Während der Fahrt von einem office des Kunden zum anderen, erblicken wir zufällig einen Hauseingang, der das österreichische Wappen trägt. Austrian Consulate of Cote d´Ivore steht darunter und lustigerweise ist das keine 500 Meter vom Büro entfernt. Wir beschliessen am nächsten Tag in der Früh (Amtsstunden sind ja bekanntlich spätestens zu Mittag vorbei) vorbei zu schauen und artig mit unseren Pässen zu winken. Der Eingang mutet zunächst weniger pompös an, da es sich aber um ein Konsulat und nicht um eine Botschaft handelt, schreckt uns das weniger. Im Vorzimmer sitzt eine Einheimische und fragt uns auf Französisch was Sie für uns tun kann. Wir bitten um Audienz beim Konsul und Sie bittet uns Platz zu nehmen. Ein paar Minuten später kommt ein kurzärmeliger, Mitte 40 und mit Schnauzer geschmückter Herr aus dem Büro und schaut uns in altgewohnter Wiener Manier grantig an. Wir fragen auf Französisch ob er Deutsch spricht und er antwortet un pue (wie schreibt man das?) und bittet uns in sein Büro. Dort hängt eine österreichische Flagge an der Wand, es sieht aber alles relativ behelfsmässig aus. Spätestens nach ein paar Flosklen bricht das Eis und wir unterhalten uns auf Wienerisch. Wir ezählen was wir hier tun und welche Länder wir bereisen werden und er gibt uns allerlei survival Tipps und ruft für uns den Deutschen Botschafter in Liberia und Sierra Leone an, um unsere Ankunft anzukündigen: „Geh bitte passts ma durt auf meine Buam auf.“ Wir werden mit Kontaktnummern und anderen nützlichen Dingen versorgt.

Wie sich heraus stellt, ist seine Frau Irakerin und das natürlich ganz zu unserer bzw. Ali´s Freude, der sich gleich ausgiebig mit ihr unterhält. Der Hauseigene Arzt war auch gerade auf Besuch (ein Franzose) und so sitzen wir bald alle gemeinsam zum Kaffeetratsch beisammen. Der Arzt klärt uns dabei auch über die diversen Malariamedikamente auf und verschreibt uns Tabletten, die wir einnehmen sollen, wenn eindeutigte Krankheitssymptome auftreten. Apropos, ein kleiner Tipp an all jene, die in Österreich leben und planen sich fachkundig über Reisegesundheitsfürsorge zu erkundigen. Geht nicht ins Tropeninstitut in Wien. Ich kann mich noch aus meiner Zeit im Reisebüro erinnern, dass wir auch damals allen davon abgeraten haben. Das ist eine reine Geldabzocke. Grundlegende Informationen können sie nicht geben und egal wo man hinfährt, man bekommt einfach immer die selben Medikamente empfohlen, die man zum Selbstkostenpreis natürlich gleich dort machen kann. Die Beratunsgebühr von 11 Euro ist zum Fenster raus geworfen. Jeder Arzt in den betoffenen Ländern kennt sich wahrscheinlich 10x besser aus, da sie dort auch klarerweise mehr Erfahrung mit diversen Krankheiten haben. Jedenfalls verschreibt uns der Franzose die Sachen und der Konsul schickt seinen Fahrer um uns die Sachen zu besorgen, sehr nett!! Nach ca. 2 Stunden gemütlichen Plauschens, fragt uns der Konsul, ob wir mit ihm heute Abend essen gehen wollen. Kackt der Bär in den Wald? Klar, wollten wir.

Um 20 Uhr holte er uns vom Hotel ab und gleich fühlten wir uns in seinem Auto sehr sicher, da er Diplomatenkennzeichen hat und die stark korrupte Polizei zumind. davor noch zurück schreckt.
Wir steuern das Lokal eines Bekannten an, der sich als 60 jähriger Bayer aus München herausstellt und in Abidjan eine Münchner Wirtschaft betreibt..Wahnsinn! So sitzen wir also in bayrisch verzierter Blau Weiss Blau Einrichtung, untermalt mit musikalischer Begleitung eines Hubert von Goisern und bestellen eine Sauerkrautplatte und Stelze!! Davor gab es Schwarzbrot mit Schmalz und Frühlingsaufstrich und das Bier durfte auch nicht fehlen. Nach der obligatorischen Williamsbirne gaben uns Mr Konsul und sein Freund noch einen kurzen Jodler zum Besten und voll gegessen und erledigt, treten wir gemeinsam die Heimfahrt an. War ein netter und lustiger Abend und die Geschichten, die wir vom Franz hörten (so heisst er mit einem Vornamen, Omar mit dem anderen) waren allesamt spannend und interessant. Vor allem die Zeit während der Unruhen hier dürfte tatsächlich sehr schlimm gewesen sein. Seine Familie wurde damals vom französischen Militär evakuiert und er verschanzte sich wochenlang auf einer abgelegenen Insel („mit 4 Unterhosen und 2 Palletten Bier“!). Gezielt wurden Ausländer angegriffen und entweder schwerst verprügelt, beraubt, oder in manchen Fällen auch getötet. Er erzählte davon, dass Jugendliche die Strassen kontrollierten und wahllos Fahrzeuge anhielten und kontrollierten und dabei Geld oder Wertgegenstände forderten. Alles unter dem Protektoriat des hiesigen Militärs (die dann natürlich bei solchen Aktion mitschnitten). Geschäfte, Hotels und Wohnungen wurden geplündert und im Radio wurden Hetzparolen verbreitet (irgendetwas in der Art wie: verfolgt und vertreibt die weissen Schweine. Sie nehmen euch nur aus, etc. etc.). Ausgeraubt wurde er hier schon ein paar Mal. Einmal mit vorgehaltener Waffe. Ansonsten sei es hier aber mittlerweile sehr entspannt und die Sicherheitslage ist angeblich mehr als akzeptabel (unter Einhaltung gewisser Grundregeln versteht sich). Vor einem Besuch im November riet er uns aber dennoch ab, da dann wieder Wahlen statt finden und das ist in diesem Teil der Welt (und natürlich auch in anderen – siehe Iran) immer besonders heikel. Abgesehen von Politik sprachen wir auch viel über Motorräder, da er selbst leidenschaftlicher Chopperfahrer ist (der Bayer auch, hielt mir stolz ein Photo mit seiner Road King Custom unter die Nase) und da gab es natürlich ausreichend Stoff für lange Benzingespräche. Übrigens gibt es in Cote d´Ivore angeblich nur ca. 20 gemeldete Österreicher. D.h. wir heben mit unserem Besuch den Alpenanteil gleich um ganze 10%!

Bisherige Photos und Jodelvideo unter folgenden Links:

West Afrika

TIA

Na, wer kennt den Film? TIA, This is Africa. Ein Spruch vom Film „Blood Diamond“. Genau diese Worte gingen mir durch den Kopf als Ali und ich an der Elfenbeinküste, in West Afrika landeten. Ich amüsiere mich immer wieder über die handling Prozesse der verschiedenen Flughäfen. Schon damals im Sudan dachte ich mir, Mann, da ist echt kein System dahinter. Abidjan Airport, Ali und ich kommen nach einem 10 Stunden Flug aus Dubai an und sind naturgemäss vollkommen fertig. Ali vielleicht weniger als ich, da er die Nacht vor dem Flug nicht geschlafen hat (geistige Notiz: das war schlau!) und daher fast die Hälfte der Zeit durchgepennt hat. Der Flughafen sieht eigentlich ganz vernünftig aus. Alles ganz aufgeräumt und halbwegs sauber. Dann gehts los. Wir werden von einem Vertreter unseres Kunden abgeholt, der schon vor der Passkontrolle auf uns wartet. Angenehmes Gefühl, ich hätte mich ja wetten getraut, dass das mit der Abholung nicht funktioniert (ich werde mehr und mehr zu einem Pessimisten...). Dann kommen auf einmal zig Kontrollen.
Alle haben sie bunte und unterschiedliche Uniformen an und man vertraut einfach darauf, dass sie alle berechtigt sind zu fordern und streng zu schauen. Der Erste will unseren Impfpass und die darin bestätigte Gelbfieberimpfung sehen (Seitenkommentar: dass das verpflichtend ist in der Ivory Coast, hat uns in Wien beim Tropeninstitut keiner gesagt). Natürlich haben wir uns aber dagegen und noch viel mehr impfen lassen und konnten die erste Kontrolle erfolgreich meistern. Dann übergeben wir die Visa Kopien, die wir schon vorab vom Kunden per e-mail erhielten mitsamt unseren Pässen dem Abholer. Dem folgen wir durch die Passkontrolle, die wir kommentarlos passieren. Der Abholer grüsst alle Uniformierten ganz freundschaftlich. Gutes Gefühl, der Typ ist also echt. Dann warten aufs Gepäck in Mitten einer Horde von anderen Reisenden. Erstes ungutes Gefühl, Vorurteile und Klischees über afrikanische Organisationsskills melden sich lautstark in unseren Köpfen. Aber falsch gedacht, nach ca. 10 Minuten rollen sie alle ganz brav auf dem Laufband daher. Aufatmen. Dann folgen wir dem Abholer, der die ganze Zeit nur das Nötigste mit uns spricht, zum Ausgang. Ali und ich wollten ganz ganz dringend eine Rauchen, aber zuerst müssen wir scheinbar das Visum klären. Also vertrauen wir uns gesamtes Gepäck (ca. 6 Koffer) einem Kollegen des Abholers. In einem anderen Trakt des Flughafens schreiten wir diverse Stiegen entlang um dann im Büro zweier weiblicher Zollbeamtinnen zu landen. Zollbeamte sind weltweit Ungustl (wenn jetzt ein Zollbeamter mitliest, selbst Schuld, lächelt einfach mehr und sprecht mit uns!). Diese aber scheinen gut gelaunt, demonstrieren aber trotzdem die gewohnte Gleichgültigkeit. Unsere Pässe landen erstmal bei ihr in der Schublade und wir werden aufgefordert zu warten und Platz zu nehmen. Warten ist jetzt nicht unbedingt das Wort, das man nach 10 Stunden Flugzeit gerne hört und unsere Müdigkeit, gepaart mit der stärker werdenden Nikotinsucht wirkt sich mehr und mehr negativ auf unsere Geduld aus. Irgendwann fragen wir dann also schon etwas genervt, wann wir denn jetzt unsere Pässe wieder bekommen und der Abholer erklärt uns schliesslich, dass die zur Bearbeitung beim Zoll bleiben und wir diese erst im Lauf der Woche wieder bekommen würden. Europäisch gebildet in Sicherheitsfragen, sties uns das natürlich schwer auf und so legten wir natürlich gleich lautstark Protest ein. Dass das nirgendwo sonst üblich sei und wir auf gar keinen Fall unseren Pass zurück lassen war unsere Reaktion, die den Damen aber eher als Amusement diente als sie zu sonst irgendeiner für uns zufriedenstellenden Lösung verholf. Nach langen Diskussionen und dem Kompromiss eine Kopie unserer Pässe zu erstellen (die ich ohnehin als scan am PC hatte), zogen wir also mit unserer ersten Niederlage von Dannen und bahnten uns den Weg zurück zum Kollegen, der sehr zu unseren grossen Freude noch mit all unseren Koffern auf uns wartete.

Erster nikotingetränkter Atemzug auf Elfenbeinküsteboden. Wetter bewölkt und schwül. Der Anflug war übrigens ziemlich geschüttelt, da sich vor Abidjan gewaltige Gewitterwolken zusammen brauten und das Umfliegen dieser gewaltigen CBs (für die Kenner) ziemlich turbulent war. Ah und die Tatsache, dass wir in einem Airbus sassen hat uns natürlich auch nicht unbedingt beruhigt (siehe Air France). Aber egal, eine saubere Landung, diverse Zollscharmützel später waren wir also am Weg in unsere Unterkunft. Im Vertrag war klipp und klar von 4+ Stern Hotel die Rede und der Kunde war damit auch einverstanden. Als der Fahrer aber nach ca. 10 Fahrminuten in den Hinterhof eines Apartmentblocks einrollt, melden sich ganz unliebsame Gefühle des beschissen worden seins. Wir waren vom Sudan einiges gewohnt, aber allein die Aussenfasade dieses Gebäudes versprach alles, nur keine geruhsamen und sicheren Nächte.
Somit bellen wir den, zugegeben wahrscheinlich unschuldigen Fahrer gleich an und verlangen, dass wir ins Büro des Kunden gefahren werden. Dort angekommen müssen wir zunächst natürlich das übliche Vorstellungskonzert absolvieren und nach einer kurzen, aber sehr bestimmenden Diskussion mit der PA unseres Kunden, einigen wir uns ins Ibis Hotel gebracht zu werden. Voll der Hoffnung kommen wir dort an und die Lobby sah zwar nicht luxiorös, aber zumindest annehmbar aus. Der kurze Moment der Hoffnung war gleich zu Nichte als wir aufs Zimmer kommen. Der Bettbezug sah aus, als ob er nie die Wonne einer Reinigung erhielt und Leintuch, Kopfpolsterbezug und co waren definitiv seit der letzten Benutzung weder gewaschen, noch nicht einmal der Illusion halber glatt gestrichen. Haare überall und ein ziemlich muffiger Geruch. Leider war es aber schon viel zu spät um beim Kunden zu urgieren und so mussten wir wohl oder übel eine Nacht durchhalten. Um so wenig Zeit bzw. Schlaf in dieser Drecksbude zu verbringen, gingen wir zunächst mal auf ein paar Antidepressionsbier in die Hotelbar und dann per Taxi in eine Bargegend (nach vorheriger Auskunft beim vertrauensvollen Rezeptionisten). Dort angelangt, stellen wir fest, dass die meisten Bars (zumindest in dieser Gegend) voll mit französischen Expats sind. Alle sind sehr freundlich und grüssen uns scheinbar als willkommenen Neuzugang. Zu Ali´s und meinem „kleinen“ Nachteil stellte sich leider bald heraus, dass die Mehrheit der Bevölkerung hauptsächlich Französisch und nur wenig Englisch spricht. Zu blöd auch in einer ehemalig französischen Kolonie... Mit den paar Floskeln die ich kannte, reichte es für eine erfolgreiche Bestellung und die Atmosphäre war genau so, wie wir uns das vorstellten. Richtig Afrika halt. Bald gingen wir dann aber ins Hotel, immerhin waren wir ja schon seit fast 20 Stunden unterwegs.

Nächster Tag, Office. Der Kunde sehr nett, wir werden überall vorgestellt, office facilities gut und ausreichend vorhanden, passt. Nach einer kurzen Diskussion mit dem admin officer einigen wir uns schliesslich, dass wir in ein anderes Hotel übersiedeln, dass der Vereinbarung gemäss Vertrag entspricht. Wir checken im Sofitel ein und das Leben sieht gleich ganz anders aus. Laut Plakete ist es ein 5 Stern Hotel. Ist zwar nicht ganz mit dem Standard anderer 5 Stern Hotels in Europa zu vergleichen, aber es ist um Welten besser als das Drecks Ibis Hotel. Anschliessend verbringen wir den Tag dann wieder im office und erledigen die ersten organisatorischen tasks.
Der Kunde lud uns zu einem von der Firma gesponserten Jazz Event ein und das war uns natürlich sehr willkommen. Zurück ins Hotel, frisch machen, Abend essen und los gehts. In Cote d´Ivore ist gerade Regenzeit und das ist uns aus dem Brutofen Dubai kommend zwar nicht gerade unrecht, aber dafür steigt natürlich das Malariarisiko. Ali und ich sprühen uns reichlich mit Insektenschutz ein. Klebriges Zeug das auf der Haut brennt und nicht unbedingt Partylaune macht. Mit dem Taxi fahren wir in die Rue de Mercedes (es gibt dort einen Mercedes Händler, wahrscheinlich daher der Name). Die Strassen sind eher mangelhaft beleuchtet, das einzige Licht scheint von den vielen Bars und Restaurants zu kommen. Das Konzert fand im La Music´all statt, einem lokalen Jazzklub, der angeblich jeden Freitag Live Musik bietet. Sehr nett. Einrichtung eine Mischung aus afrikanischem Tropendecor und urbaner Jazzlounge. Die Beleuchtung rot und schummrig. Der Kunde hat uns einen eigenen Tisch reserviert und wir lernen ein paar der Kollegen aus dem office kennen. Irgendwann später am Abend kommt dann auch der CEO des Unternehmes und wir führen business small talk. Die Band war sehr nett. Keyboard, Schlagzeug, Trompete, Bass und Saxophon waren am Werken und das sehr gut. Nach ca. 2 Stunden verlässt uns der CEO und wir beschliessen noch weitere Nachtclubs zu erkunden. Wenn ich mich richtig entsinne, waren wir in ca. 4 Lokalen an dem Abend. Das Angebot besteht aus Clubs die hauptsächlich von expats besucht werden und reinen local clubs. Es gibt einen Club Havanna, ein Che Cafe, usw usf. In einem Club sah es aus wie in Dubai. Nur Libanesen (die hier neben den Franzosen übrigens die grösste expat community stellen) und typisches Libanesenpartygetue (you know what I mean). Irgendwann beschliessen wir dann den Heimweg anzutreten und schnappen uns ein Taxi.

Und jetzt kommt das Abenteuer. Polizei bzw. Militärcheckpoints sind wir ja jetzt nun schon langsam gewohnt, aber das Erlebniss an diesem Abend war auch für uns neu. Erste Kontrolle, unser Taxi wird zur Seite gewunken. Zwei freundlich wirkende Uniformierte, die AK47 lässig um die Schulter gehängt, bitten uns freundlich um unsere Ausweise. Unsere Pässe waren wie oben erwähnt noch beim immigration office und selbst wenn nicht hätten wir ohnehin nicht unsere Pässe mitgenommen. Ali und ich sind aufgelegt und scherzen mit den Soldaten herum. Ali fragt ob er einmal die Knarre abfeuern darf, alle lachen. Schnell ist klar, dass die freundlichen Genossen es aber auch bald auf Kohle abgesehen haben und so drücken wir ihnen 2 Dollar in Landeswährung in die Hand und alle sind happy. Keine 5 Minuten später, noch ein checkpoint. Jetzt sind wir schon weniger gut aufgelegt und beschliessen nichts mehr zu zahlen. Drei jetzt leider weniger freundlich wirkende Soldaten kommen relativ schnell zur Sache und auch unsere Versuche auf die Sprachbarriere zu setzen (nix verstehen) fruchten eher weniger. Einer der drei leuchtet mit seiner Taschenlampe auf ein Bündel Geldscheine. Eine nicht dezente und sehr deutliche Geste die mit irgendwelchen gebellten Lauten unterstrichen wird. Wir sind beide noch wenig beeindruckt und steigen aus dem Taxi um unseren Standpunkt mehr Halt zu geben. Wir haben schon gezahlt, bla bla, wir haben kein Geld mehr, bla bla. Alles umsonst, sie geben nicht nach und wollen ihr Geld sehen. Jetzt fangen wir zu streiten an und die Diskussion wird immer heftiger. Irgendwann deutet einer der Soldaten zu seinen Kollegen irgendetwas, dass soviel wie „einer wird mitgenommen, der andere bleibt hier“ zu bedeuten scheint. In falscher „Ich bin Europäer und hab Rechte“ Manier, diskutieren wir aber brav weiter, wenn gleich auch ein wenig vorsichtiger, da wir nur ungern irgendwohin mitgenommen werden wollen, schon gar nicht getrennt. Irgendwann reicht es den Soldaten dann aber scheinbar und einer der drei kommt auf mich zu und schwenkt den Lauf seiner Kalaschnikow ziemlich eindeutig in unsere Richtung. Tja und das war dann der Zeitpunkt wo alle Prinzipien, jeglicher Stursinn und Heldentum ziemlich schnell ad acta gelegt werden und man sofort von Held auf Weichei umschaltet. Hände beschwichtigend in die Höhe haltend und die Mimik auf „gaaanz ruhig“ gewechselt und schon greifen wir in unsere Taschen und zahlen eine, jetzt natürlich nicht mehr so geringe Idiotensteuer.

Ziemlich angepisst, aber doch froh, dass das so glimpflich verlief, fahren wir weiter Richtung Hotel. Unser Fahrer scheint von all dem nur wenig beeindruckt, Alltag in Cote d´Ivore wie es scheint. Natürlich waren wir etwas angespannt und haben dann miteinander gestritten (wieso hast du das gesagt, wieso hast du nicht gleich bla bla, ...). Schnell waren wir aber wieder abgelenkt, da unser Fahrzeug keine 10 Minuten später wieder zur Seite gewunken wurde. Man spielt ja gerne mit und stellt das eigene Wohlergehen immer in den Vordergrund. Aber irgendwann will man auch einfach nicht mehr. Wir steigen also beide aus und ohne Absprache versuchen wir es diesmal mit einem Blöff. Was das soll, wir arbeiten für die Regierung, bla bla, aggressive Gesten, etc. Ali zeigt dem etwas jünger wirkenden Soldaten die elektronische Passkarte aus Dubai, die sehr offiziell aussieht und komplett auf Arabisch ist. Ganz oben in fetten Buchstaben steht auf der Karte „Ministry of Interior“ geschrieben und das verwenden wir für unseren Blöff. Es ist ja alles Psychologie und wenn man einmal merkt, dass es eine kleine Spur der Verunsicherung beim Gegenüber gibt, dann fühlt man sich in seiner Taktik bestätigt, gewinnt immer mehr Selbstvertrauen und bleibt auf Vollgas. Wie sein Name ist, Ali und ich mustern seine Uniform auf Namensschilder. Ali zieht seinen Notizblock und fordert seinen Namen. Der Soldat wird immer mehr unsicher und sagt nur no, no, begleitet von einem sehr nervös wirkenden Lächeln. Ich sag zu Ali auf Deutsch „Jetzt haben wir ihn“ und wir werden immer forscher und frecher. Irgendwann bricht dann der Damm und der Soldat gibt auf. Nicht nur lässt er uns jetzt fahren, er entschuldigt sich auch noch bei uns. Als er Ali sogar umarmen will, er ihn darauf hin aber wegstösst, sehe ich noch kurz einen Moment der Spannung, aber alles war nun gegessen. Er kommt auf meine Seite und will mit mir einschlagen und sagt dauernd nur: „my friend, my friend, all good, all good“. Wir schlagen die Türen zu, fahren davon und hauen uns in sicherer Reichweite ziemlich histerisch ab. Sogar der Fahrer lacht. Glück gehabt. Bei der Kontrolle davor, hätten wir mit dieser Taktik wahrscheinlich zwei Ausgänge gehabt, eine (oder mehr) Nacht im sicher sehr angenehmen Gefängnis, oder noch weniger lustig, eine (oder mehr) Schusswunden.

Keine 100 Meter von unserem Hotel entfernt, schon in Sicherheit wiegend, die nächste Kontrolle vor uns. Wir befehlen dem Fahrer (ja, richtig gehört, nicht bitten, befehlen!) nicht anzuhalten und er hört auf uns und fährt langsam, aber doch stetig weiter. Wir hören einen Pfiff, einen zweiten und dann nichts mehr. Wir drehen uns vorsichtig um und sehen, dass der Soldat sich einem anderen Fahrzeug zugewendet hat. Wieder Glück gehabt. Im Hotel angekommen machen wir Bestandsaufnahme. Bei drei Kontrollen haben wir ca. 50 US Dollar abgelegt. Jeder wird jetzt natürlich sagen, dass es nicht wert ist sein Leben für 50 Dollar aufs Spiel zu setzen und das sehen wir genau so. Allerdings werden wir noch ca. 7 weitere Wochen hier verbringen und wenn wir bei jeder Ausfahrt 50 Dollar ablegen, dann kommt schon eine ziemlich grosse Summe zusammen. Andererseits wollen wir natürlich auch heil wieder zurück, keine Frage. Unser Plan ist, ab sofort nur noch mit Leuten fortzugehen, die hier leben und sich auskennen. Toller Plan, ich weiss.

Malaria wird durch Moskitos übertragen, wissen wir. Von meinem Projekt in Sudan weiss ich, dass die Einnahme der Prophylaxe Tabletten mit sehr starken Nebenwirkungen verbunden ist und ich die Dinger nur zur Behandlung einnehmen werde. Zumal wir erfahren haben, dass man die Tablette nur maximal für 20 Tage einnehmen soll. Wir sind ja länger hier. Einschmieren unter Tags bringt nicht so viel, da die weiblichen Moskitos, die Malaria übertragen nur nachtaktiv sind und das Einschmieren mit diesem klebrigen und auf der Haut brennenden Zeugs irgendwann nervt. Im Zimmer haben wir Gelsenstecker, diverse Anti-Insect Gels und andere Sachen aufgestellt, die Fenster sind geschlossen und die Klimaanlage läuft. Ich fühle mich dadurch relativ sicher und ausserdem kann man bei aller Vorsicht ohnehin nicht verhindern, dass man mal gestochen wird (es ist ja auch nicht jeder Stich automatisch mit Malariainfektion verbunden). Ali aber will auf Nummer sicher gehen und hat ein Moskitonetz/Zelt mit. Die Dinger sind eher für den Ausseneinsatz irgendwo im Dschungel gedacht und daher gestaltet sich der spätnächtliche Versuch ein Zelt über unserem Kingsize Bett aufzuhängen eher schwierig bis unmöglich. Heeringe kann man nur schwer in einen Teppichboden einschlagen und die Befestigung an der Decke ohne Haken ist auch eine Herausforderung. Den Versuch das Netz einfach als Überdecke zu verwenden haben wir auch verworfen. Wenn das Ding auf dir drauf liegt, ist es nicht nur lästig, die Gelsen werden auch einfach durch die kleine Netzöffnungen einfach durchstechen und sich köstlich über diese dummen Weissgesichter amüsieren. Also weg mit dem Netz und Augen zu.

TIA...

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